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Mensch, Mensch FSJ-Projekt Indonesien

Integrativ und Interkulturell

 

 

 

2.                     Projektidee Mensch,Mensch

2.1.            Zielsetzung

2.2.            Struktur

2.3.            Zielgruppe

 

3.                     Zeitplan Workshopwochenende

 

 

2.      Projektidee Mensch, Mensch 

Seit Beginn meines freiwilligen sozialen Jahres in der Integrativen Kulturwerkstatt Alte Schule habe ich anhand vieler Beispiele erfahren können, dass sich das Konzept Kultur als Mittel der Integration  bestätigt.

Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam als Kunstschaffende beim Maskenbauworkshop oder zusammen als Schauspieler auf der Bühne zeigen, dass Kultur ein vielfältig einsetzbares Element ist, welches Verbindungen zwischen diesen Menschen schafft.

Weiterführend kam der Gedanke auf, dass Interesse an Kultur ebenfalls Verbindungen zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen schaffen kann, also als Vermittler zwischen den Kulturen auftritt.

Ein Projekt, bei dem die Kulturwerkstatt Alte Schule auf eine gedankliche Reise nach Indonesien einlädt, ist demnach nicht nur integrativ, sondern auch interkulturell!  

2.1.           Zielsetzung 

In der Indonesischen Sprache wird das Wort Für Mensch Orang, um die Pluralform „Menschen, Leute“ zu bilden, einfach zweimal hinter einander gehängt. Orang Orang!

Die wortwörtliche Übersetzung eben dieses ist der Name unseres Projektes: Mensch, Mensch. Die verschieden Bedeutungen dieses Titels beinhaltet die Ziele, die wir mit dem Projekt erreichen wollen.

Das erste und offensichtliche Ziel ist, natürlich, den Teilnehmern die Kultur Indonesiens näher zu bringen. Die verschiedenen Workshops, wie zum Beispiel ein Gamelanworkshop, machen es möglich. Der Titel Mensch, Mensch ist hier als Ausdruck des Staunens und der Bewunderung für die vielfältige und bunte Kultur Indonesien gedacht.

Des Weiteren ist es beabsichtigt, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen zu bringen, damit sie sich durch die gemeinsamen Erfahrungen kennenlernen können.

Fremdenhass und Ablehnung gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung entstehen vor allem durch Angst vor dem Unbekannten. Das gemeinsame Erfahren von Neuem und Unbekanntem kann Brücken zwischen Menschen bauen und somit hoffentlich die Toleranz und das Miteinander stärken.

Der Titel Mensch, Mensch ist hier so zu verstehen, dass Menschen zwar unterschiedlich sein können, aber niemand weniger Mensch ist als sein Nebenmann.

2.2.           Struktur 

Ein Wochenende lang soll es Menschen mit und ohne Migrations Hintergrund sowie Menschen mit als auch ohne geistiger Behinderung möglich sein, in die vielfältige und bunte kulturelle Welt Indonesiens einzutauchen.

Die Teilnehmer können einen von vier Workshops wählen. In diesem lernen sie eine indonesische Tradition kennen.

Am Ende des Wochenendes werden dann die Ergebnisse im Rahmen einer Präsentation vorgestellt.

 

Gamelan Workshop 

Gamelan-Musik ist die traditionelle Orchestermusik der indonesischen Inseln Java und Bali. Sie ist auch heute noch wichtiger Bestandteil von religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Ereignissen.

Das javanische Gamelan besteht in erster Linie aus Gongs, Gongspielen und Metallophonen aus Bronze, Xylophon, Felltrommeln, Zither und Spießgeige. Hinzu kommen häufig die Längsflöten sowie männliche oder weibliche Gesangsstimmen.

Da ein Gamelanorchester vorwiegend aus Schlaginstrumenten besteht, ist ein Spielen von einfachen Stücken auch ohne Vorkenntnisse möglich.

Doch auch bei einfachen Stücken spielt das Zuhören eine genauso wichtige Rolle wie das Spielen selbst. Denn alle Stimmen sind nach bestimmten rhythmischen Mustern miteinander verzahnt und nur wer zuhört, ist auch in der Lage mit anderen zusammenzuspielen.

Darum fördert Gamelan-Spielen in hohem Maße die Kommunikation in der Gruppe.

Traditionelle Gamelanmusik wird entweder im Fünftonsystem slendro oder im Siebentonsystem pelog gespielt. Im slendro-System wird die Oktave in fünf beinahe gleich große Tonschritte unterteilt, während es im pelog-System sieben ungleich große Intervalle sind. Nicht nur die Tonskalen unterscheiden sich stark von den hiesigen, auch das Empfinden von harmonierender Musik ist ganz anders als in der westlichen Welt.

Denn gerade Reibungen und Schwebungen, die unserem Verständnis nach disharmonisch klingen, werden als schön und lebendig empfunden.

Unsere „sauberen“ Klänge klingen für einen Javaner  langweilig und leblos.

Gamelan-neulinge lernen, dass die eigene Musikkultur nur eine unter vielen ist und mit Musik eines anderen Kulturkreises kaum verglichen werden kann.

Ein weiteres wesentliches Merkmal der Gamelanmusik ist die Wiederholung.

Üben durch Wiederholung ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, um in der Konzentration auf das Tun zur Ruhe zu kommen.

Ein vollkommenes Versinken in das eigene Spielen ist deshalb nicht unüblich.

Durch die vollen Klänge der Musik werden die Sinne angesprochen und man findet auf spielerische Weise Zugang zu einer anderen Kultur.

Die Workshopteilnehmer werden von der geschulten Gamelanlehrerin Bettina Sahrmann während des Wochenendes an die Instrumente herangeführt. Nach einigen Improvistations-Spielen, bei denen sich die Teilnehmer allein auf die Erzeugung und das Hören von Klängen konzentrieren, werden einfache Stücke für die Präsentation eingeübt. 

Schattentheaterfigurenbau Workshop 

Das wayang kulit ist die bekannteste Art des traditionsreichen indonesischen Schattentheaters.

Ein Spielmeister, genannt dalang, sitzt in festlicher Landestracht im Schneidersitz hinter einem bis zu zwölf Meter langem kelir, einem kunstvoll beschnitzten Rahmen, der mit einem weißen Tuch bespannt ist. Eine Lampe beleuchtet den kelir.

Der dalang spielt alle der wayang kulit Figuren selbst, denen er möglichst jeder einzelnen eine eigene Stimme gibt.

Diese Flachfiguren bestehen aus einem Rumpf und zwei beweglichen Armen. Sie werden aus Wasserbüffelhaut traditionellen Vorbildern nach ausgestochen. Danach werden sie aufwendig mit Malereien sowie Haaren und anderen Details verziert.

Sie werden vom dalang hinter der Leinwand bewegt, je nachdem wie deutlich die Konturen sein sollen, sehr dicht oder mit ein wenig Abstand.

Dieser Unterschied zwischen Scharf und Unscharf hat einen sehr aufregenden Charakter.

Das Sprechen oder Singen einer Figur wird durch ein Klopfen des dalangs angekündigt, auch Kämpfe untermalt er akustisch.

Neben dem ihm befinden sich während des Spieles auf beiden Seiten nach überlieferter Reihenfolge je mehr als 100 wayang-Figuren- rechts sind die „Guten“ und links die „Bösen“.

Ein kompletter Schattenfigurensatz umfasst bis zu 600 Figuren, welche richtige Kunstwerke sind.

Oft werden sie von vielen Künstlern nacheinander bearbeitet. Die Fertigstellung dauert mehrere Wochen bis hin zu Monaten.

Ihr Aussehen hängt mit dem Entstehungsort zusammen, da die verschiedenen Regionen in Indonesien alle Eigenheiten beim Puppenbau haben.

Traditionellerweise werden vor allem Episoden aus den ursprünglich indischen Epen Mahabharata und Ramayana gespielt, die den meist erwachsenen Zuschauern bekannt sind. Doch heutzutage finden auch zeitgenössische Themen manchmal Einzug in das Schattentheater.

In diesem Workshop können leider keine richtigen Wayangfiguren aus Zeitgründen hergestellt werden, doch sollen die Teilnehmer durch Bau von Figuren aus Pappe sowie der Entwicklung eines kurzen Stückes mit diesen Puppen den indonesische Brauch kennenlernen.

Das Stück soll am Präsentationstag aufgeführt werden.

 

Indonesischer Tanz und Gesang Workshop 

Indonesische Gesangs- und Tanzformen gibt es mehrere. Dieser Workshop handelt von den höfischen Tänzen, sowie dem macatat, einer sehr alten Gesangsform.

Die ursprünglichen Fruchtbarkeitstänze der Sultanpaläste (kartons), wurden bis vor einiger Zeit ausschließlich vor gleichgeschlechtlichem Publikum vorgetragen. Kein Mann durfte den Frauen bei ihren Tänzen zusehen, sowie es keiner Frau gestattet war die Männer tanzen zu sehen. Heutzutage sind diese Tanzvorstellungen für jedermann und finden sogar wöchentlich in den kratons statt.

Sie dienen vorwiegend der Unterhaltung der Touristen, aber auch Einheimische besuchen gerne die Zeremonien.

Die oben erwähnte Gesangsform macatat bestehen aus elf Gesängen, von denen es allerdings 100te Varianten gibt. Sowie die Tänze haben auch sie ihren Ursprung in den kratons. Es ist eine bis zu 200 Jahre alte Form des Gesangs und wurde sehr wahrscheinlich von den Hofmusikern entwickelt.

Anders als die meisten anderen Gesangsformen wird macatat nicht von Gamelanmusik begleitet.

Die Texte sind auf Javanische, so wie die meisten Ausdrücke in der Musik. Javanisch gilt als gehobene Sprache, sie wurde früher in den Palästen gesprochen.

Die elf macatat Gesänge handeln von alltäglichen Problemen, wie Eifersucht, Liebe und Trauer. Es sind kluge und ratsame Weisheiten, in etwa wie die Sprüche Salomos aus der Bibel, doch stammen sie nicht aus dem Koran, sondern sind alte javanische Weisheiten.

Die Teilnehmer dieses Workshops können durch das Erlernen dieser Tanz- und Gesangsformen eine komplett neue kulturelle Welt kennenlernen. 

 

Batik Workshop 

Wer schon einmal in Indonesien war oder einen Indonesier in landesüblicher Tracht gesehen hat, kennt die kunstvollen Batikmuster, die so mache Stoffe zieren.

Obwohl nicht ganz sicher ist, wo Batik seinen Ursprung hat, so kann man doch sagen, dass die Kunst des Batikens in Indonesien am höchsten entwickelt ist. Dort ist es einen nationale Kunstform. Sogar das Wort batik kommt aus dem Javanischen und bedeutet soviel wie Stoff mit Punkten.

Es heißt, Batik wäre erst im 19. Jahrhundert mit der Einführung von fein gewobenen Stoff aus Indien, später aus Europa, möglich gewesen, doch weisen deutlich ältere in Stein gehauene Götterfiguren in den Tempeln textile Muster auf ihren Gewändern vor. Außerdem erwähnen niederländische Schriften aus dem 17.Jahrhundert aufwendig verzierte Stoffe.

Die anspruchsvollen Muster werden auch heute noch durch traditionelle und simple Werkzeuge erzielt. Man arbeitet mit heißem Wachs und einem so genannten canting oder auch Wachsstift, einem kleiner Behälter aus Kupfer mit einer Art Tülle der an einem Bambusstab befestigt ist.

Das Wachs wird in einem sehr kleinen Wok, genannt wajan erhitzt. Danach wird es in den Behälter des canting gefüllt aus dem es durch die Tülle kontinuierlich heraus fließt. Die Künstlerinnen ziehen mit dem Wachsstift ohne abzusetzen die mit Holzkohle vorgezeichneten Lienen auf dem Stoff nach.

Cantings gibt es mit unterschiedlich großen Ausflüssen, um verschieden künstlerische Effekte zu erzielen.

Danach wird der Stoff in die erste Farbe getaucht. Die Zeit, die das Tuch eingetaucht bleibt, bestimmt den Farbton. Dunklere Farben erfordern mehr Zeit im Farbenbad als helle.

Traditionelle Batikfarben werden aus natürlichen Substanzen gewonnen,. Daher beschränken sie sich auf beige, blau, braun und schwarz. Doch auch andere Farben können künstlich, aber auch durch Mischen der herkömmlichen Farben erzeugt werden.

Ist das Tuch nach dem Farbbad getrocknet, wird der Wachs von den Stellen, die nun gefärbt werden sollen, entfernt. Ein weiteres Mal wird der Stoff in Farbe getaucht, allerdings entweder in eine andere als zuvor oder einfach nicht so lange.  Dieser Vorgang wird wiederholt bis alle zu färbenden Stellen die gewünschte Farbe angenommen haben.

Ein Batikstoff wird also umso aufwendiger desto mehr Farben er hat.

Durch die Workshopleiterin Marianne Stein, die das Batiken in Yogyakarta gelernt hat, sollen die Teilnehmer in diesem Workshop die Grundzüge der Batikkunst kennenlernen.

Die gefertigten Tücher und Stoffe sollen auf der Präsentation ausgestellt werden.

 

Präsentation 

Die Präsentation findet am Ende des Wochenendes statt. Herzlich sind alle Interessenten eingeladen mit  uns zu feiern.

Die Ergebnisse der Workshops werden an diesem Tag für die Besucher vorgestellt und diese damit auf eine gedankliche Reise nach Indonesien einladen. So soll es ein Gamelankonzert geben, bei dem die Teilnehmer die erlernten Stücke vortragen können.

Außerdem natürlich eine Vorstellung des Tanz- und Gesangsworkshops, sowie eine Ausstellung der Arbeiten des Batikworkshops.

Zu guter Letzt gibt es eine Theateraufführung des Schattentheaterworkshops.

Während der ganzen Präsentation werden Indonesische Speisen angeboten, so dass die Besucher auch kulinarisch Indonesien erfahren können.

 

2.3.      Zielgruppe 

Integration soll bei diesem Projekt in all seinen Bedeutungen wahrgenommen werden, d.h., dass eine Einrichtung wie die Kulturwerkstatt Alte Schule hierbei Kultur nicht nur zur Integration von Menschen mit Behinderung einsetzen muss, sondern auch ausländische Mitbürger von diesem Konzept profitieren können.

Die Kontakte von Menschen mit Behinderung zu ausländischen Bürgern sind zwar im Alltag vorhanden, jedoch oberflächlich, sodass leicht Vorurteile gegen ausländische Bürger entstehen können.

Deshalb sollen vor allem ausländische Vereine der Region sowie Menschen, die im Johannes-Busch-Haus wohnen angesprochen werden. Doch auch jeder andere ist herzlich eingeladen an den Workshops teilzunehmen.

Denn je vielseitiger und zahlreicher die Teilnehmer sind, desto interessanter wird das Projekt. 

 3.         Zeitplan Workshopwochenende

Beginn:

Freitag 18 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vormittags

Mittags

Nachmittags

Abends

 

 

Freitag

X

X

X

18:00 - 20:00

Samstag

10:00 - 12:00

Gemeinsames

14:00 - 17:00

X

Mittagessen

Sonntag

X

X*

Präsentation 16:00 - 19:00

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*

weiterer Workshopblock möglich bei Bedarf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ende:

Sonntag gegen 19 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

  (c) Integrative Kulturarbeit des Johannes-Busch-Hauses  im Ev. Johanneswerk e.V.